Bibel im Bild

In der Bibel gibt es unzählige Bilder, die zum Nachdenken, zum Vertiefen und zum Meditieren anregen. Schritt für Schritt entstehen hier solche Bilder, die sich an der christilichen Bildtraditionen anlehnen.


Im Paradies

Adam und Eva im Paradies. Die giftgrüne Schlange kriecht lautlautlos an einem Ast des Baumes entlang und sieht die beiden Liebenden in einem hellen Licht. Sie halten den Apfel, den sie nicht hätten vom Baum nehmen dürfen. Und bricht jetzt ihre Welt zusammen, die so schön ist, vom Wind Gottes durchweht, in weiche Farben gebettet, in Frieden mit allen Tieren und die Pflanzen ranken sich hoch an ihrem Glück. Da ist kein Unterschied, kein Oben und Unten, es ist nur Eines, alles ist verschmolzen. Der Atem Adams mündet in Gottes grossen Hauch, die Worte von Eva klingen durch den Garten. Aber fast bedrohlich steht der Baum der Erkenntnis mit den roten Äpfeln da: Was für eine Gefahr birgt die Frucht in ihrem Inneren. Oder ist alles nur ein Traum, den der Mensch in seiner tiefsten Seele träumt, dass einmal die Welt ein ungeteiltes, seliges, lichtdurchflutetes Ganzes war?

 


Verstossung aus dem Paradies

Der Engel steht da mit dem blauen Schwert, unverrückbar, unbestechlich, ein für alle Mal, er steht da und weist sie fort, aus dem Paradies, aus ihrer Heimat, aus ihrer innersten Sehnsucht, aus ihrem Einssein mit Gott, aus ihrer Vertrautheit mit der allesumspannenden göttlichen Liebe. Grausamer Engel, sein Gesicht scheint ein grimmiges zu sein, wo ist sein Mitgefühl? Und was liegt vor ihnen, die harte, abweisende Erde, die kein Garten mehr ist, die Dornen und Disteln trägt, die Menschen nicht erwartet, sondern ihnen den Platz streitig macht? Was liegt vor ihnen: Die brennenden, verzehrenden Schmerzen der Geburt, all die Zweifel, die wie Nebelschwaden über der Existenz schweben, das Nichtwissen wohin, das Fremdsein? Und doch, wenn sich Adam und Eva noch einmal umsehen, und in die Augen des Engels schauen, sehen sie ein leises Bedauern, zumindest einen Hauch von Schmerz unter seinen leuchtenden Lidern, wo ein grosses, rundes, allumfassendes Versprechen schlummert, dass der Mensch einmal zurückkehren wird ins Paradies?